Freitag, 19.5.2017

 Etappe 7 – ca. 32 km

 Marsberg – Willebadessen

 http://www.hk-hotels-willebadessen.de/

info@hk-hotels-willebadessen.de

 +49 5646 8010

 HK-Hotel Der Jägerhof

Am Jägerpfad 4-6

 D-34439 Willebadessen

  

Nichts wie weg! So könnte man wohl unser Gefühl nach dem „Erlebnishotel“ der letzten Nacht umschreiben. Das Frühstück hat sich nahtlos in das Bild eingefügt. Der Kaffee war eine undefinierbare Brühe. Das Buffet machte alles andere als einen frischen Eindruck. Und als ich mich entschied, eine kleine verpackte Leberwurst auf's Brot zu streichen (da konnte ja nicht viel passieren …) und ich dann sah, dass diese bereits seit Monaten abgelaufen war, unsere Lust auf Frühstück endgültig getilgt. Einen Vorteil hatten wir – der Fluchtdrang machte es uns einfacher, in den leider verregneten Tag zu starten.

 

Erstmals diese Woche mussten wir uns wirklich mit Regenjacken, Regenhosen und geschütztem Rucksack auf den Weg machen. Die erste Zeit hatten wir heute aber genügend Gesprächsstoff über unsere Unterkunft, dass uns der Regen gar nicht gross stören konnte. Die Wegmarkierungen waren wiederum gut sichtbar – heute mussten wir aber aufpassen, dass wir die Abkürzung nach Willebadessen nicht verpassten – der offizielle Weg macht nämlich eine Riesenschlaufe, wieso auch immer. Der Regen begleitet uns mehr oder weniger den ganzen Tag und der Nebel hängt tief in der Landschaft und in den Wäldern. Vorbei an Essentho, entlang von Waldrändern mit Schafweiden und durch regentriefende Wälder kommen wir nach Oesdorf, wo wir auf der Bank vor dem Clubhaus des regionalen Wandervereins unsere erste Pause machen. Ein steiler Anstieg führt uns dann wieder auf einen Weg entlang einer Hügelflanke. Hier treffen wir wieder mal einen Wanderer auf dem E1. Ein Däne, welcher wohl schon im Pensionierungsalter ist, ist auf dem Weg von Dänemark nach Zürich, wo er Freunde hat. Im Gegensatz zu uns macht der den ganzen Weg nicht in Etappen, sondern in einem „Zug“. Nach einem kurzen Erfahrungsaustausch verabschieden wir uns wieder und für ihn geht’s weiter Richtung Süden, für uns Richtung Norden. Bei der Planung der heutigen Etappe habe ich versucht, möglichst viele Abkürzungen einzubauen, um die Tagesetappe, welche auch so noch über 30 km beinhaltet, erträglich zu machen. Diese Abkürzungen verlangen von uns zwar viel Aufmerksamkeit, zahlen sich aber aus. In Blankenrode kommen wir dann nochmals ins Grenzgebiet zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen.

 

Wieder einmal haben wir einen happigen Aufstieg vor uns. Der Regen dauert an und der Boden ist entsprechend schwer. Eine Tafel weist uns darauf hin, dass wir nun im Naturschutzgebiet Teutoniaklippen  angekommen sind. Das Etappenziel und damit das Wochenziel naht. Nach einer längeren Regenpause giesst es nun wieder wie aus Kübeln und es wird empfindlich kühler. Die Sicht ist sehr schlecht und wir müssen aufpassen, dass wir auf dem richtigen Weg bleiben. Nun verlassen wir den E1 und biegen ab auf den regionalen Wanderweg A3, welcher uns Richtung Willebadessen führt. Kurz vor dem Ziel haben wir noch irgendwie einen Blackout in der Orientierung, finden uns dann aber wieder zurecht und sind glücklich, im Hotel Jägerhof, gleich neben dem Bahnhof von Willebadessen (und weit vom Ort entfernt) einzutreffen. Im Hotel werden wir sehr freundlich empfangen und wir fühlen uns sofort wohl. Das mit dem erhofften Whirlpool wird zwar nichts, da die Wartezeiten enorm sind, das lässt unsere Stimmung aber nicht wirklich schlechter werden. Wir ruhen uns beide noch ein wenig im Zimmer aus und bereiten unsere Sachen für die Rückreise von morgen vor. Bei dieser Gelegenheit komme ich in meinen Gedanken sehr intensiv auf etwas zurück, was mich den ganzen Tag begleitet hat. Heute war die Beerdigung von Priska Keist. Ich musste immer wieder an sie denken und habe es bedauert, dass ich sie nicht auf dem letzten Weg begleiten konnte. Für mich habe ich diese letzte Etappe darum Priska gewidmet – Ruhe in Frieden!

 

Beim Nachtessen gibt’s dann noch Geschichten, wie sie nur vom Leben und vom Zufall gesteuert werden können. Neben den meist älteren Semestern, welche sich a Buffet gütlich tun, gibt es noch einen Frauenverein auf Vereinsausflug – eine aufgestellt Truppe. Dann wäre da noch Irina. Sie hat uns sehr zuvorkommend bedient und wir sind bald einmal mit ihr ins Gespräch gekommen. Dabei stellt sich heraus, dass sie einige Zeit in Bern verbracht hat und nun mit ihrem Schweizer Mann wieder in diese Gegend zurückgekehrt ist. Dies viel ihr nicht sehr leicht und sie meinte, wir sollen die Schweiz herzlich von ihr grüssen lassen – sie würde gerne wieder zurückkehren. 

 

Tja, und da war dann noch einer, welchen wir beim Rauchen draussen angetroffen haben. Er hörte unschwer an unserer Sprache, woher wir kommen und wir haben ihm dann unsere Geschichte erzählt. Als er hörte, dass wir aus Luzern und Umgebung kommen, hat er geschmunzelt, ist verschwunden und kommt mit einem Paar zurück mit der Bemerkung – „das sind die beiden verrückten Luzerner“. Und diese Paar kam aus Wolhusen. Der Mann hat seinerzeit in Rosenheim die Ingenieursschule absolviert und die Gruppe ist auf dem alljährlichen Ausflug, welcher abwechslungsweise in das Gebiet des Organisators führt. Wir haben uns dann etwas länger unterhalten und dabei festgestellt, dass es verschiedene gemeinsame Bekannte gibt. Seine Frau kommt aus Wolhusen. Eben, Zufälle gibt’s.

  

Schliesslich unterhalten wir uns auch noch mit ein paar Töfffahrern, welche den heutigen Tag auf dem Motorrad verbracht haben und ziemlich durchnässt nun auch froh sind, im Trockenen zu sein.

 

Das Nachtessen, welches von wunderbarem deutschem Wein begleitet ist und uns sehr schmeckt, runden wir mit einem Dessert und einem Absacker ab und legen uns rechzeitig zur Ruh.

 

Am Morgen empfängt uns ein wunderbares Buffet und der Frauenverein im Frühstücksraum. Wir stärken uns vor unserer langen Rückreise und dann geht’s via Warburg nach Kassel, wo wir den Eurocity bis Basel besteigen können. Am späteren Nachmittag treffen wir dann zu Hause ein.