Donnerstag, 18.5.2017

 Etappe 6 – ca. 25 km

 Schweinsbühl – Adorf - Marsberg

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 Diemelhotel

 Schildstrasse 4

 D-34431 Marsberg

 

 Einmal mehr erwartet uns ein schöner Tag und die Sonne schickt schon früh ihre hellen Strahlen in unsere Zimmer. Unser „Hotelier“ verwöhnt uns nach allen Regeln und wir bekommen ein unglaublich feines Frühstück vorgesetzt – sozusagen ein richtiges Landfrühstück mit Eiern, Speck, Schwarzbrot, Kaffee, Milch und Most – einfach gut!

 

Obwohl die Zimmer sehr einfach waren (erinnerte mich irgendwie an unseren Bauernhof auf der Gretti in Ebersecken, wo ich meine ersten Lebensjahre verbracht habe) haben wir uns hier sehr wohl gefühlt und der Abschied viel uns fast ein bisschen schwer. Ein letzte Überraschung hatte unser Wirt noch für uns bereit. Natürlich galt es noch, bevor wir den heutigen Tag unter die Füsse nahmen, unsere Zeche zu bezahlen. Das hat uns fast von den Socken gehauen – für Übernachtung / Frühstück / Nachtessen / Wasser / Biere / Schnäpse / Getränkeproviant für den heutigen Tag – sage und schreibe etwas über EUR 60.--/Person. Mit einem sehr grosszügigen Trinkgeld haben wir uns bei unserem Wirt bedankt – unvergesslich!

 

Ganz ungewohnt geht’s dann auf dem Marsch mal nicht aufwärts, sondern abwärts. Bei herrlichem Sonnenschein marschieren wir durch wunderschöne Landschaften, durch Wälder, entlang von Bächen und durch kleine Dörfer und Weiler. Die Signalisierung ist sehr gut und wir kommen entsprechend gut voran und sind bei bester Laune. Glücklicherweise haben wir beide absolut keine Beschwerden und mein Ischias oder die Bandscheiben oder was auch immer mir auf der rechten Körperhälfte hin und wieder Beschwerden macht ist ruhig. Unser erster Ort, an dem wir uns wieder orientieren können ist Benkhausen (Ortsteil der Gemeinde Diemelsee) im Naturpark Diemelsee.

 

Hier geht’s dann in den ersten Aufstieg, aber absolut im Rahmen. Die Landschaft erinnert nach wie vor zum Teil sehr stark an unsere Heimat im Entlebuch und Luzerner Hinterland. Ein entscheidender Unterschied dazu sind die unzähligen Windkraftwerke, welche wir überall mehr oder weniger weit entfernt am Horizont sehen. Wir treffen heute auch auffällig viele Rehe. Tja, und da wo’s viele Rehe hat, hat’s natürlich auch viele … jawohl, Hochsitze! Vorbei an Kuhweiden und durch frische, im Frühlingslaub stehende Waldstücke kommen wir nach Adorf, ein für diese Gegend typisches Bergbaudorf und ebenfalls Ortsteil von Diemelsee. Ein sympathischer kleiner Ort, welcher im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden, durch welche wir marschiert sind, sehr lebendig wirkt. Wir stärken uns in einer Konditorei und Café mit einem feinen Kaffee und etwas Süssem. Dazu nutzen wir die Gelegenheit, um unseren Tagesproviant noch mit einem Sandwich zu ergänzen. Dabei kommen wir natürlich schon bald mit der Verkäuferin und einer Kundin in einen interessanten Austausch. Die staunen ob unserem Vorhaben und haben keine Ahnung von den Dimensionen. Die eine meint, dass man wohl schon drei Wochen rechnen müsste, um durch Deutschland zu marschieren …

 

In der Fortsetzung unserer heutigen Etappe kommen wir direkt durch einen der vorgängig erwähnten, grossen Windparks. Die Dinger sind ganz schön eindrücklich, wenn man mitten drin steht. Wir treffen auf einen Arbeiter, welcher uns erzählt, dass er mittels Infrarotkamera die Rotorblätter auf allfällige Risse oder andere Schäden absucht, dies im Rahmen von regelmässigen Inspektionen. Auf dem weiteren Weg ziehen immer mehr Wolken am Himmel auf und schon bald einmal hätte niemand gedacht, dass wir am Morgen bei strahlendem Sonnenschein gestartet sind. Für unsere Mittagsrast suchen wir uns eine Bank am Ortsrand von Giershagen aus. Beim Ortseingang begrüssen uns zwei sympathische Esel, welche wohl in Bezug auf die Geschichte als Bergbaugegend einzuordnen sind. Nur wenige Dorfbewohner sind auf der Strasse und beäugen uns aus sicherer Distanz. Dass der Ort im 2. Weltkrieg auch seine Episoden erlebt hat, sehe ich erst später beim Studium von Wikipedia.

 

Der Himmel ist inzwischen bedeckt und früher oder später wird’s wohl zu regnen beginnen. Gleich nach dem Mittagessen machen wir zuerst einen (so signalisierten) Umweg und damit einen Aufstieg, welchen wir uns hätten sparen können. Vorbei an einer grossen Papierfabrik  biegen wir wieder in ein Waldstück ein, in welchem der Boden mit blühendem Bärlauch überdeckt ist und die Luft entsprechend mit dem Geruch getränkt ist. Nach einem happigen Aufstieg kommen wir entlang eines Hügelzuges langsam Richtung Zielort. Weit entfernt sehen wir die Kirche St. Peter und St. Paul von Obermarsberg. Die vermeintliche Nähe zum Ziel täuscht aber. Der Hügelzug lässt uns immer wieder mit seinen Einbuchtungen zusätzlichen Weg machen und inzwischen hat leider auch der Regen eingesetzt. Sobald das Wetter nicht mehr optimal ist, sinkt auch etwas die Motivation und wir sind froh, dass wir Obermarsberg endlich erreichen. Von hier wartet nun noch ein sehr steiler Abstieg nach Marsberg auf uns. Mitten im Nachmittag treffen wir dann bei leichtem Regen an unserem heutigen und zweitletzten Etappenort dieser Woche ein.

 

Noch bevor wir unsere Unterkunft suchen, sorgen wir dafür, dass wir am Samstag auch wieder heimkommen und kaufen uns am Bahnhof die Tickets für die Rückreise von Willebadessen. Auf dem Weg zur Unterkunft gönnen wir uns ein Bier und kommen dabei auch in’s Gespräch mit der Bedienung. Sie erkundigt sich auch danach, wo wir denn übernachten werden und macht uns mit ihren Aussagen nicht gerade euphorisch für die Qualität unserer nächsten Herberge.

 

Und genauso, wie uns die liebe Frau vorhin beschrieben hat, haben wir dann auch unsere Unterkunft angetroffen. Alt und schummelig, resp. schmuddelig und sehr unfreundlich. Wir mussten uns fast dafür entschuldigen, dass wir nicht auf die Minute genau eingetroffen sind. Für das Frühstück haben wir uns gleich mal abgemeldet, da dies nicht vor 8 Uhr möglich ist und zum guten Glück haben wir seine Aufforderung, doch im Hotel das Nachtessen zu geniessen, nicht Folge geleistet. Die Zimmer waren wirklich schmuddelig und abweisend. Das Bett war einigermassen und die Dusche funktionierte – aber eben, halt so wie eine 30-jährige Dusche funktioniert, bei welcher nie etwas gemacht wurde. Nun gut, wir werden’s überleben.

 

Wir machen uns auf den Weg in die Ortsmitte um für das Nachtessen einen geeigneten Platz zu finden. Der Regen hatte inzwischen wieder aufgehört und so stieg auch unsere Stimmung bald wieder an. Dank TripAdvisor fanden wir einen fantastischen Italiener, welcher uns nach allen Regeln verwöhnte. Noch vor dem Eindunkeln und nach einem feinen Grappa fanden wir uns in unserer Unterkunft ein. Der Wirt meinte, er könne ausnahmsweise das Frühstück bereits um 7.30 h zubereiten. Nun gut, dann schauen wir am Morgen halt in den Frühstücksraum.

 

Der Wetterbericht für morgen, welchen ich wie immer vor dem Einschlafen noch konsultiere, macht nicht gerade viel Lust. Wir scheinen nun doch noch einen Regentag vor uns zu haben.