Mittwoch, 17.5.2017

 

Etappe 5 – ca. 38 km

 

Winterberg - Willingen (Upland) - Schweinsbühl

 

http://www.schweinsbuehl.com/html/gasthaus_dobelt.html

 

l.doebelt@buergerpost.net

 

+49 5632 1893

 

Gasthaus und Pension Döbelt

 

Uplandstrasse 1

 

D-34519  Diemelsee-Schweinsbühl

 

 

 

Einmal mehr steht wieder eine rechte Etappe vor uns und wir verlassen kurz nach 7 Uhr das Hotel Hessenhof. Bevor wir Winterberg hinter uns lassen, suchen wir noch eine Bäckerei für die Tagesverpflegung. Wir finden schon bald einmal ein Café mit Bäckerei und freuen uns schon auf ein kleines, unerwartetes Frühstück. Das war aber nix – eigentlich war da noch gar nicht offen und die Sachen aus der Bäckerei waren noch nicht bereit. Ab 8 Uhr würde man uns gerne bedienen. Nun denn, sehen wir mal weiter. Gleich nebenan ist ein Supermarkt und dieser hatte bereits offen. Im Eingangsbereich gab’s dazu eine kleine Kaffeeecke mit verschiedenem Gebäck, wo wir uns nun sehr gut eindecken konnten für den heutigen Tag. Frisch gestärkt und mit „fettem Sandwich“ im Rucksack verlassen wir Winterberg nun endgültig Richtung Bahnhof (dieser war gerade im Umbau und wird 2018 neu eröffnet). Der erste Teil des heutigen Tages geht etwas abseits der offiziellen E1-Route und wir gewinnen dadurch einige Zeit und marschieren zudem durch wunderschöne Landschaften. Der Morgen ist noch recht kühl, der Tag soll aber schlussendlich wieder schön warm werden. Wir sind noch immer in der weiteren Umgebung von Winterberg und kommen nach einiger Zeit durch Niedersfeld. Auch hier spielt Wintersport eine grosse Rolle und es gibt verschiedenste Liftanlagen. Diese Gegend war im 2. Weltkrieg auch Schauplatz verschiedener Kämpfe, weil unmittelbar in der Nähe die Front zu den US-Truppen verlief. Nach Niedersfeld gibt’s wie gewohnt wieder einen Aufstieg ins Naturschutzgebiet „neuer Hagen“ wo wir auf rund 850 Höhenmetern den Clemensberg erreichen. Ein Grossteil dieser Erhebung wurde im Zuge von Abbau von Diabas abgetragen. Oben auf dem Hügel steht ein Gipfelkreuz, welches von einem deutschen Soldaten errichtet worden war, welcher dieses als Dank für seine Rückkehr von der Front von Italien errichtet hat. Uns wurde wieder einmal bewusst gemacht, welche Geschichte und Leid dieses Land und deren Bewohner erleben mussten – nicht alle machten freiwillig den Hitlergruss. Mit Dankbarkeit dafür, dass unser Land von diesem Leid verschont geblieben ist, haben wir uns ins Gipfelbuch eingetragen. Dabei haben wir noch ein paar Worte mit einem jungen Holländer gewechselt. Dieser war ebenfalls seit längerer Zeit zu Fuss unterwegs. Unser Weg führte uns dann weiter nach Willingen, dem nächsten Wintersportzentrum dieser Gegend. Die Liftanlagen hier sind modern und absolut vergleichbar mit unseren Beförderungsanlagen. Im Winter 2018 findet in Willingen der Skisprung Europacup statt. Nachdem der Morgen noch eher kühl und angenehm war, hat das Wetter jetzt gewechselt und es ist wunderschön und ungewohnt warm geworden. Wir spüren langsam auch die vorangegangenen Tage und machen am Mittag Rast ausgangs Willingen am Eingang zu einer Schiefergrube. Uns fehlen noch Rund 16 km bis zu unserem heutigen Etappenort. Der nächste Ort, welchen wir durchqueren ist Schwalefeld und gleich danach steigt es wieder einmal stark an. Übrigens waren wir die ganze Zeit fleissig daran, die Hochsitze zu zählen, welche wir auf unserem Weg gesehen haben – mehr oder weniger sind wir immer einigermassen ausgeglichen und beide bei rund 140 Stück angelangt.

 

Mit Rattlar gelangen wir schliesslich zum letzten Ortsteil, welcher der Gemeinde Willingen eingemeindet wurde. Von hier geht’s wieder mal aufwärts und wir treffen auf den ersten Wegweiser, auf welchem unser Zielort Schweinsbühl aufgeführt ist – noch 8.5 km Distanz, aber nicht nur geradeaus … Wir sind auf Feldwegen unterwegs und es ist inzwischen richtiggehend heiss und unsere Getränkereserven gehen langsam aber sicher zur Neige.

 

Wir kommen vorbei an Deissfeld bevor der letzte und sehr steile Aufstieg nach Schweinsbühl beginnt. Irgendwie erinnert mich die Landschaft hier sehr stark ans Luthertal und an die Napflandschaft. Kurz vor 15 Uhr treffen wir in unserem Zielgasthaus in Schweinsbühl ein – Getränkevorrat komplett aufgebraucht – sozusagen „Flasche leer“. An der Tür zum Gasthaus hängt ein Schild welches uns darüber informiert, dass dieses bis 16 Uhr geschlossen ist – darf ja wohl nicht wahr sein. Wir suchen die Hinterfür und finden den Zugang durch einen Hinterhof, welcher zugleich auch der Zugang zum angegliederten Landwirtschaftsbetrieb ist. Kaum haben wir uns bemerkbar gemacht, da kommt auch schon der Wirt mit zwei grossen Pils. Wir bestellen noch je eine Flasche Mineralwasser dazu und so kommen unsere Kräfte sehr schnell wieder zurück. Während der Wirt unsere Zimmer noch herrichtet, trifft ein Ehepaar aus Chemnitz, welches in der Gegend auf Wanderschaft ist, ebenfalls ein. Wir unterhalten uns schon bald einmal bestens und geniessen den Schatten hinter dem Wirtshaus und tauschen uns aus. Die Zimmer sind nun fertig zum Bezug und wir machen uns auf in den oberen Stock. Es ist zwar alles sehr alt – aber OK, Matratze und Dusche sind gut.

 

Vor dem Nachtessen geniessen wir auf der Vorderseite die letzten Sonnenstrahlen und beobachten das „Treiben“ in dem kleinen Ort – vom Gemeindehaus her hören wir die Probe des gemischten Chors – könnte gerade so gut irgendwo im Luzerner Hinterland sein.

 

In der Zwischenzeit hat der Wirt das Nachtessen bereit. Er hat für uns ein unglaublich gutes Gulasch zubereitet. Die Portion erschien uns zunächst als riesig, schlussendlich war aber alles ratzeputz weggegessen. Auf des Wirtes Empfehlung gab’s einen Obstler (und der hatte es in sich) obendrauf und noch vor 21 Uhr waren wir auf den Zimmern und schliefen den Schlaf der Gerechten. Ein wunderschöner und sehr strenger Tag mit vielen Erlebnissen war zu Ende – und Schweinsbühl ist uns ans Herz gewachsen.