Donnerstag, 16. Juni 2016

 Bad Marienberg - Herdorf

 36 km / ca. 7 h

 www.haus-schneider.com

 

  

Ich habe sehr gut geschlafen, und im Gegensatz zu gestern Morgen fühle ich mich heute gut und ausgeschlafen. So wie’s im Moment aussieht, hat auch das Eis seine Wirkung am Fuss getan und ich habe das Gefühl, dass alles OK ist mit meinen Füssen.

 

Um 8 Uhr bin ich bereit und marschiere nach einem ausgiebigen Frühstück los von Bad Marienberg. Langsam kommt ja das Wochenziel näher und die Tatsache, dass heute „nur rund 36 km“ zu bewältigen sind, motiviert mich zusätzlich. Auch das Wetter schein mitzumachen und ist am Anfang ganz passabel – aber sehr kühl.

 

Nach rund einer Stunde merke ich, dass mit den Füssen doch nicht alles so OK ist, wie ich gedacht habe. Ich nehme ein Voltaren, die Wirkung lässt aber auf sich warten. Es ist nicht mehr der linke Fuss, welcher mir Sorgen bereitet, nein, es ist der Rechte. Habe ich mich gestern Abend also doch nicht getäuscht und habe die ersten Vorboten schon gespürt. So wie ich die Sache beurteile, habe ich eine Entzündung der Sehnenscheide eingefangen. Mit Voltaren kann ich die Sache aber einigermassen im Griff haben. Vorbei an vielen Windkraftwerken marschiere ich durch abwechslungsreiche Landschaften und viele kleine, verschlafene Nester. Erstmals treffe ich heute eine junge Frau, welche den Fernwanderweg E1 vom Ausgangspunkt von Flensburg bis an den Bodensee machen will. Sie macht den ganzen Weg am Stück, resp. macht dann in Frankfurt, daher kommt sie ursprünglich, eine Pause von einer Woche. Nach dem Austausch von ein paar Informationen und Eindrücken verabschieden wir uns und gehen weiter des Weges – sie gegen Süden, ich gegen Norden.

 

Nach der Mittagsrast ändert die Landschaft wieder und es geht wieder in den Wald. Auch das Wetter wird wieder schlechter und ich mache einen grossen Teil des Nachmittages in Regenkleidung. Der Wald lässt überhaupt keine Fernsicht zu, es gibt kein Wild und der Regen lässt auch nicht wirklich Stimmung aufkommen. Etwas Ablenkung geben mir die, für die Jahreszeit, vielen Pilze, welche meinen Pfad begleiten. Vor allem Eierschwämme (Pfifferlinge) gibt’s hier in Mengen. Mein linkes Fussgelenk ist fast nicht mehr spürbar, mein rechtes Rist mit der Sehnenscheide dafür immer mehr …

 

Gegen 15 Uhr komme ich bei strömendem Regen in Herdorf an. Auch dieser Ort ist wieder in einer Talsenke und ich weiss damit auch schon, dass mich am nächsten Morgen zuerst ein happiger Anstieg erwarten wird. Der Ort Herdorf ist, im Gegensatz zu meinen bisherigen Etappenorten, nun nicht wirklich sehenswert. Die Umgebung scheint zwar bei Wanderern recht bekannt zu sein und der Ort ist Ausgangspunkt für verschiedene Rundwanderwege – dass dies so ist, werde ich noch feststellen müssen.

 

Das Hotel ist geschlossen und sofort kommen mir da böse Erinnerungen an Erlebnisse dieser Woche. Ich gehe um das Haus herum und finde einen Hintereingang, und tatsächlich auch die Wirtin. Sie erkennt mich sofort und meint, ich müsse wohl der Schweizer sein, welcher sich für heute angemeldet hat.

 

Das Zimmer ist soweit OK, aber sehr eng und der Wasserhahn im Bad ist defekt und es kommt nur kaltes Wasser – zum Glück funktioniert aber die Dusche. Nun, es ist ja die letzte Nacht, wenn alles gut geht bin ich morgen wieder zu Hause in meinem Bett. Ich treffe alle Vorbereitungen für morgen, denn ich will um 6 Uhr in der Früh starten, damit ich gegen Mittag an meinem Etappenziel in Siegen ankomme – 12.54 Uhr fährt der Zug Richtung Frankfurt – ich hab’s bald geschafft!

 

Einmal mehr bekomme ich ein feines Nachtessen serviert und ich gehe, nachdem ich alles nochmals die Füsse gesalbt, die schmerzenden Stellen gekühlt und die Muskeln mit Perskindol eingerieben habe, früh ins Bett. Ich freue mich auf die letzte Etappe!